8 - Harald Haeuser

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2011 - 150 cm x 110 cm  - The birth of language series


"....Die Fernsicht legt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Chiffren um einen einheitlichen und gewollten Schriftverlauf handeln könnte, dessen Grafik sich zwar ästhetisch erschließen lässt, aber dessen Bedeutung uns verschlossen bleibt. Eine Schrift ohne verbindlich decodierbare Semantik kann sich in einer hohen Deutungssicherheit, wenn überhaupt, nur dem Urheber erschließen. Schriftlogische Mittel – wie Buchstaben, Morpheme, Wörter, Sätze – sind nicht auszumachen. Die Betrachter sind auf ihre Deutungstoleranz angewiesen.


Schrift ist im allgemeinen der ins grafische Bild übersetzte Sprachschall. Sie folgt der gleichen grammatikabhängigen Logik wie die akustisch vorgebrachte Sprache. Nur – Schrift wendet sich an das Auge, Sprache an das Gehör. Das Gehirn kann nun aus beiden Sinnesebenen den selben Inhalt ableiten. Je bildlicher, je metaphorischer Sprache wird, um so schwieriger wird es mit der Eindeutigkeit. Poetik und Lyrik –wir wissen es – leben davon.

Harald Häuser hält sich an keine der Regeln, welche die weltweit unterschiedlichen Schriftsysteme vereinbart haben, um Kommunikationsfähigkeit zu garantieren.
Er lässt sich grafisch auf das ein, was man auf der akustischen Sprachebene mit dem Begriff Glossolalie umschreibt. Darunter ist eine offenbar alogische, semantikfreie Zungensprache gemeint, die es in der Vergangenheit gelegentlich bis zu hieratisch verehrten Äußerungen gebracht hat. Altgriechische Orakelgrößen haben sie schon gekannt. Im Neuen Testament werden solche Begabungen immer wieder erwähnt und nobilitiert. Diese Zungensprache entsteht nicht durch einen Denkakt, sondern durch ein höheres Etwas, das die sprechende Person als Sprachrohr für sich einsetzt. Der glossolalierende Mensch ist so gesehen so etwas wie ein Durchlauferhitzer für göttliche Anliegen in verklausulierter Form.
Die Moderne hat aus diesem glossolalieauslösenden, höheren Etwas das Unbewusste und das Unterbewusste gemacht und es damit auf ein psychologisierendes Dada-Niveau herunter formatiert.

Parallelen zum Phänomen Zungensprache können dabei helfen, Harald Häusers grafischen Ansatz besser zu verstehen. Das heißt allerdings nicht, dass er reine Glossografie betreibt.
Der Künstler schickt den motorischen Impuls des Unbewussten nicht zur artikulationsfähigen Zunge, um Sprechsprache zu erzeugen. Er leitet den Impuls seines Unterwusstseins direkt in die schriftausführende Hand und reflektiert sein Resultat während des Zeichenvorgangs. Handschrift mal ganz anders, Handschrift fast frei von rationalen Filtern. ...."
Dr. Herbert Köhler - Zitat aus Redetext - Städtische Galerie Weingarten. (copyright)


 
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